SAM: Liebe Lea, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur gewonnenen Europameister-schaft. Die Bilanz spricht für sich: 6 Siege, 1 Unentschieden – also ungeschlagener Turniersieger. Hast du mit dem Titel im Vorfeld schon gerechnet oder mit welchen Erwartungen bist du in die Slowakei gereist?

Lea: Wir haben uns das Halbfinale schon als mannschaftsinternes Ziel gesetzt. Aber natürlich war zwingende Vorgabe, dass wir die Vorrunde überstehen wollen und von Spiel zu Spiel schauen. Und je weiter wir gekommen sind und je mehr wir uns im Turnierverlauf entwickelt haben, umso größer sind die Erwartungen geworden. Als wir in der Zwischenrunde Dänemark geschlagen haben und im Halbfinale standen, dann dachte ich mir: Die Medaille muss jetzt schon sein! Und am Anfang war noch egal welche Farbe sie hat, aber als wir dann praktisch den letzten Schritt ins Finale gemacht hatten, wollten wir nur noch Gold.

SAM: Ungeschlagener Europameister, die erste Goldmedaille überhaupt im weiblichen Nachwuchs und ein 23:18-Finalsieg gegen Norwegen. Kannst du den Erfolg nach so kurzer Zeit denn schon so richtig realisieren?

Lea: Nachdem mich dann jeder darauf angesprochen hat, dass wir Europameister sind, glaube ich es mittlerweile so langsam. Aber am Anfang habe ich es echt noch nicht realisiert, vor allem die Tage danach, als ich wieder zu Hause war. Doch jetzt hat man das Trikot und die Goldmedaille zu Hause und das ist schon cool.

SAM: Es schläft sich schon besser mit so einem riesen Erfolg und so einem besonderen Titel. Und ich glaube, das wirst du irgendwann deinen Kindern und Enkeln auch noch erzählen, oder?

Lea: Ja definitiv.

SAM: Lea, Du wurdest im Finale zur Spielerin des Spiels geehrt und hast mit deinen drei Treffern zum Sieg erheblich beigetragen. Wie war das Finalspiel für dich?

Lea: Am Anfang hat es nicht danach ausgesehen, dass dieses Spiel so optimal läuft. Ich habe gar nicht auf der Mitte angefangen, sondern meine Mitspielerin – Sie sollte den Schwung aus dem letzten Spiel mit in die Partie nehmen. Der Trainer meinte zu mir, er weiß, dass ich zuverlässig bin, wenn ich auf die Platte komme. Es stand aber sehr schnell 4:0 für die Norwegerinnen, sodass er mich bereits nach 5 Minuten eingewechselt hat. Und danach hat die „Vertretung vom Handballverband Württemberg“ ein Feuerwerk gezündet (lacht).

Herr Urban: Und nach der ersten Halbzeit musstet ihr einen 3-Tore-Rückstand aufholen.

Lea: Ja genau, wir haben aber über die gesamte Spielzeit an uns geglaubt. Auch zur Halbzeit, als es 12:9 gegen uns stand. Wir sind immer dran geblieben. Wir haben uns vorgenommen, nach der Halbzeit wieder Vollgas zu geben und die 3 Tore Rückstand aufzuholen und dann das „Ding“ souverän ins Ziel zu bringen.

SAM: Und gerade in der zweiten Halbzeit habt ihr das echt gut umgesetzt!

Lea: Ja, die Norwegerinnen wussten einfach nicht mehr was sie machen sollten.

SAM: Harald, Sie unterstützen die Kuties aus Herrenberg bereits seit vielen Jahren und sind Pate von Lea. Daher haben Sie das Turnier mit Sicherheit intensiv verfolgt und dem deutschen Nachwuchsteam fest die Daumen gedrückt, oder?

Herr Urban: Ja, aber ich habe die meiste Zeit das Turnier am Strand verfolgt, nachdem ich in der Zeit im Urlaub war und deswegen erhebliche Schwierigkeiten hatte die Ergebnisse irgendwie an die Hand zu bekommen. Mit dem Live-Ticker das hat nicht so funktioniert weil ich kein Internet hatte. Ich war quasi im Niemandsland und musste immer über Dritte schauen das ich an Ergebnisse komme. Von daher hatte mich die EM die meiste Zeit meines Urlaubs über begleitet. Ja, und beim Finale war ich gerade auf der Heimfahrt und hab dann natürlich überhaupt nichts mehr mitbekommen. Ich hatte nur auf der Uhr gesehen, dass das Spiel vorbei sein musste. Wo bleibt die Info? Warum kommt hier nichts durch? Und dann kam plötzlich die Meldung „Gewonnen“!! Wir sind dann direkt raus auf den nächsten Parkplatz, um sofort die Glückwünsche an Lea absenden zu können. Es war wirklich spannend, ich war immer mit „Haut und Haar“ dabei.

SAM: Lea, das Interesse an der Europameisterschaft war enorm. Nicht nur Herr Urban und sein Team haben mit Begeisterung die Spiele verfolgt, auch viele Eltern und Freunde sind mit in die Slowakei gereist. Was sagst du zu der Unterstützung und zur Stimmung?

Lea: In den Vorrunden-Spielen waren immer nur die Fans der jeweils spielenden Mannschaften in der Halle, da war nicht so viel los. Aber unsere mitgereisten Fans haben schon ordentlich krach gemacht und dann halt auch die ganzen Glückwünsche nach den Spielen, auch von Freunden von zu Hause. Gerade nach dem EM-Titel haben mir viele Leute geschrieben, von denen ich längere Zeit nichts mehr gehört hatte. Auch Spielerinnen von alten Vereinen. Da hat man schon gemerkt, dass einfach viele das Ganze verfolgt haben. Auch der Trainer hat natürlich vor jedem Spiel gesagt, das der Fokus jetzt komplett auf uns gerichtet ist. Zumal gerade die männliche Jugend-Nationalmannschaft im Achtelfinale gegen Dänemark ausgeschieden war und wir dann gegen Dänemark in das Halbfinale eingezogen sind. Ganz Handball-Deutschland hat auf die weibliche Jugend-National-mannschaft geschaut und da waren wir mitten drin, das war schon richtig cool. Im Turnierverlauf hat sich dann noch eine gute Beziehung zu den Niederländerinnen entwickelt, sodass wir sie im Platzierungsspiel angefeuert haben. Das haben sie uns dann im Finale zurückgegeben. Die saßen mit Deutschland Trikots auf der Tribüne, haben für uns Plakate beschriftet und das Gesicht angemalt.

SAM: Dann war ja noch richtig Stimmung im Finale.

Lea: Ja, da war die Halle sowieso komplett voll.

SAM: Nach der Europameisterschaft war auch schon bald Saisonauftakt mit den Kuties. Euer erstes Heimspiel konntet ihr direkt gewinnen. Dagegen musstet ihr in Berlin eine knappe Niederlage hinnehmen. Bist du mit dem Saisonauftakt zufrieden?

Lea: Uns war es am Wichtigsten das erste Spiel zu gewinnen, damit wir eben positiv in die Saison starten. Wir wussten, dass Waiblingen schnell auf den Beinen ist, deswegen war das schon eine Herausforderung. Zumal wir auch nicht wussten wo wir selber stehen, weil wir eine neue Mannschaft und einen neuen Trainer haben. Auch unsere Spielweise haben wir geändert. Es hat uns dann natürlich mächtig gefreut mit einem Tor zu gewinnen.

Das Spiel in Berlin, mussten wir eigentlich auch gewinnen. Am Ende waren wir aber nicht clever genug. Wir haben eine drei Tore Führung hergegeben und schlussendlich noch 24:25 verloren.

SAM: Harald, Sie als Dauerkartenbesitzer und treuer Tribünengast können die frisch gebackene Europameisterin bei dem einen oder anderen Heimspiel wieder in Aktion sehen. Freuen Sie sich auf die kommenden Heimspieltage?

Herr Urban: Absolut! Und ich freue mich auf die positiven Emotionen, die wir in der Halle immer genießen können. Wenn dann ein Spiel verloren geht, hat man natürlich erst einmal durch ein Tief und ist geknickt, aber trotzdem ist immer eine elektrisierende Stimmung in der Halle. Es ist ein tolles Team – auch wenn nicht alles gleich geklappt hat, konnte man sehen, dass die Spielerinnen alles in das Spiel reinlegen und sich in das Spiel reinbeißen, dass sie kämpfen, dass sie mit aller Macht gewinnen wollen und sich nicht hängenlassen. Da ist so viel Dynamik, die einen auf der Tribüne mitzieht und mitreißt, dass man nicht anders kann als mitzufiebern. Das macht viel Spaß und da sind wir sehr, sehr gern dabei.

Lea: Das ist schön.

Herr Urban: Natürlich freut es uns, dass wir als Sponsor auch mit zu diesen positiven Emotionen und dazu, dass alles läuft und funktioniert, beitragen können und somit für alle ein ganz besonderer „Erlebniswert“ geschaffen wird.

SAM: Herr Urban, Sie haben noch ein kleines Geschenk für Lea und das Nationalteam…

Herr Urban: Genau, wir haben noch eine Kleinigkeit. Wir möchten Dir, liebe Lea, und Deinen Teamkolleginnen, diese Handtücher überreichen – als kleine Anerkennung für Euren heraus-ragenden Erfolg im Nationaltrikot.

Lea: Dankeschön.

Herr Urban: Und auch ich habe mir für die laufende Saison ein Ziel gesetzt: Ich möchte mindestens ein oder zwei Auswärtsspiele der Kuties wahrnehmen und mit dabei sein.

 

Vielen Dank für das Interview!